HWN 198 Glockensteine: Karstweg bei Steigerthal
📷 Glockensteine Steigerthal von Thomas Binder unter Lizenz CC BY-SA 4.0
Die Glockensteine liegen rund einen Kilometer südwestlich von Steigerthal an einer Wegkreuzung im Alten Stolberg. Drei aufgerichtete Sandsteine bilden die kleine Gruppe; nur der mittlere ist vollständig erhalten. Der Ort liegt am Karstwanderweg und lässt sich mit Dolinen, Quellhorizonten und dem Helmetalblick zu einer abwechslungsreichen Runde verbinden.
Historische Bedeutung
Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit wurden Steinkreuze häufig an Orten eines gewaltsamen oder ungesühnten Todes gesetzt. An den Glockensteinen sind Werkzeug- und Glockendarstellungen zu erkennen. Eine örtliche Sage erzählt von einem eifersüchtigen Glockengießer und einem tödlichen Streit. Sie erklärt den Namen anschaulich, ist aber keine gesicherte Chronik. Die verwitterten Zeichen sollten vor Ort betrachtet und nicht mit Kreide, Wasser oder Abreibematerial „sichtbarer“ gemacht werden.
Geologisch ist die Umgebung ebenso bemerkenswert. Im Haselhai lagert wasserstauender Buntsandstein über löslichem Gips. Quellwasser verschwindet unterirdisch, während fortschreitende Lösung Dolinen und zu länglichen Senken verbundene Uvalas entstehen lässt. Solche Formen können sich verändern; das Verlassen der Wege an Senkenrändern ist deshalb weder naturverträglich noch sicher.
Wanderwege zu den Glockensteinen
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Karstrunde ab Steigerthal: Der offizielle Tourenvorschlag des Karstwanderwegs startet am Sportplatz südlich des Schellenbergs. Die etwa fünf Kilometer lange Runde überwindet rund 90 Höhenmeter und ist mit ungefähr drei Stunden bewusst großzügig angesetzt, damit Zeit für die Karstphänomene bleibt.
- Direkter Weg: Vom Ort folgt man dem mit blauem Kreuz markierten „Schwarzen Weg“. Der Stempelbesuch wird deutlich kürzer, zeigt aber weniger von der Karstlandschaft.
- Helmetalblick: Der Aussichtspunkt lässt sich als Abstecher ergänzen. Bei klarer Sicht öffnet sich der Blick über die Goldene Aue in Richtung Nordhausen und Südharz.
Unterwegs im Karst
Die Runde verläuft über Feld-, Wald- und Wiesenwege. Nach längerem Regen können lehmige Stellen rutschig sein; bei Sommerhitze fehlt auf den offenen Abschnitten Schatten. Wasser, Sonnenschutz und eine Offlinekarte gehören deshalb zur Ausrüstung. Am Stempelpunkt gibt es keine Bewirtschaftung.
Hunde bleiben im Bereich von Weiden und im Schutzgebiet an kurzer Leine. In Dolinen, Quellmulden und dichtes Unterholz wird nicht hineingestiegen. Die Glockensteine sind Kulturdenkmale und keine Sitz- oder Klettersteine. Gerade im zeitigen Frühjahr lässt sich die Geländeform gut erkennen, während im Hochsommer Vegetation Details verdecken kann.
Ein kleines Fernglas hilft am Helmetalblick, entfernte Orte zuzuordnen, ohne die markierten Aussichtspunkte zu verlassen.
Für dieselbe Wanderrunde eignen sich weitere Stationen des Karstwanderwegs oder ein Besuch in Steigerthal. Die Stempelstellen im Selketal liegen dagegen weit entfernt. Wer mehrere HWN-Ziele im Südharz plant, wählt dafür anschließend einen neuen Ausgangspunkt.
Am mittleren Stein sind neben der Glocke werkzeugartige Zeichen überliefert, die als Gerbermesser oder Klinge gedeutet werden. Solche Lesarten bleiben Interpretationen verwitterter Reliefs. Seitliches Morgen- oder Abendlicht macht die Konturen oft besser sichtbar als direktes Mittagslicht – ganz ohne Berühren oder Nachzeichnen.
Anfahrt
Unter diesem 📍 Link ist die Stempelstelle der Harzer Wandernadel in Google Maps zu finden.