HWN 194 Hellergrund: Wasserkunst bei Neudorf

HWN 194 Hellergrund: Wasserkunst bei Neudorf

📷 Hellergrund Teich von Thomas Binder unter Lizenz CC BY-SA 4.0

Die Stempelstelle 194 liegt im Hellergrund unterhalb des Birnbaumteichs, zwischen Neudorf und dem Bergwerksmuseum Grube Glasebach. Wer hier nur einen Waldteich erwartet, übersieht ein technisch interessantes Stück Unterharzer Bergbaugeschichte: Im Gelände arbeiteten einst Wasserräder, Gräben und lange Gestänge als gemeinsames Kraftsystem.

Historische Bedeutung

Früher stand hier die Heller Wasserkunst mit drei Radkammern, mehreren Kunstgräben und einem kleinen Kunstteich. Das aufgestaute Wasser setzte Kunsträder in Bewegung. Deren Kraft wurde über sogenannte Feldgestänge bis zu den Pumpanlagen der Birnbaumschächte übertragen; nach Darstellung der Harzer Wandernadel konnten solche Gestänge bis zu einen Kilometer überbrücken. Die Anlage machte es möglich, Wasser aus tieferen Grubenbauen zu heben, ohne die Antriebsmaschine unmittelbar am Schacht aufstellen zu müssen.

Die Birnbaumschächte wurden vom 16. bis ins 19. Jahrhundert betrieben. Zur Anlage gehörten außerdem Lichtschächte. Der Name täuscht etwas: Sie dienten vor allem der Bewetterung, also der Frischluftversorgung eines tiefen Stollens, der Wasser aus dem Revier ableitete. Im Wald sind keine vollständig erhaltenen Maschinen zu erwarten. Gerade Gräben, Geländestufen und Teichreste lassen aber erkennen, wie eng Wasserwirtschaft und Erzbergbau zusammengehörten.

Auch der oberhalb gelegene Birnbaumteich entstand im 17. Jahrhundert als Wasserspeicher für den Bergbau. Heute wird er touristisch zum Baden und Campen genutzt. Historische Wasseranlage und heutiges Freizeitgewässer sollten deshalb nicht verwechselt werden: Baden ist nur in den ausgewiesenen Bereichen und nach den Regeln des Betreibers sinnvoll.

Wanderwege zum Hellergrund

  • Startpunkt Neudorf: Der rund 15 Kilometer lange historische Bergbaurundwanderweg verbindet Hellergrund, Grube Glasebach, Birnbaumteich, Teufelsteich und Stahlquelle. Er ist die beste Wahl, wenn die Zusammenhänge des Reviers im Mittelpunkt stehen.
  • Vom Birnbaumteich: Für einen kürzeren Besuch beginnt die Wanderung am regulären Zugang des Ferienparks. Von dort führt der markierte Weg talwärts zur Wasserkunst. Privat- und Campingflächen sowie Rettungszufahrten bleiben frei.

Wegcharakter und Tourenplanung

Die Waldwege sind überwiegend unkompliziert, können nach Regen aber weich, ausgewaschen oder von Laub verdeckt sein. An Gräben und Böschungen ist Trittsicherheit wichtiger als die geringe Höhendifferenz vermuten lässt. Alte Schächte und Stollen werden ausschließlich von freigegebenen Wegen aus betrachtet; Absperrungen schützen vor schwer erkennbaren Hohlräumen.

Am Hellergrund gibt es keine verlässliche Bewirtschaftung. Getränke und eine kleine Brotzeit gehören daher in den Rucksack. Die Angebote am Birnbaumteich sind saisonabhängig; Öffnungs- und Badezeiten werden vor der Tour beim Betreiber geprüft. Im Winter können vereiste Forstwege den kurzen Zugang deutlich anspruchsvoller machen.

Für eine halbtägige Bergbautour bietet sich die Verbindung mit der Grube Glasebach (HWN 175) an. Für das Besucherbergwerk gelten feste Führungszeiten, sodass zuerst der Führungstermin und danach die Wanderroute geplant wird. Die Stahlquelle (HWN 193) ergänzt die Runde um die stark eisenhaltige Quelle am Wipperberg. Das Wasser wird ohne aktuelle Trinkwasserfreigabe nicht getrunken.

Anfahrt

Unter diesem 📍 Link ist die Stempelstelle der Harzer Wandernadel in Google Maps zu finden. Der Zielpunkt liegt im Wald und ersetzt nicht die Wahl eines legalen Start- oder Parkplatzes.

Auf einem Handy kannst du auch diesen 🗺️ Link verwenden, um den Ort in einer Kartenapp zu öffnen.

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